Wer heilt* wen?

Aktualisiert: Mai 22


In meiner Praxis spreche ich vermehrt von WIR und Du, weniger von ich. Beispielsweise: „Heute haben WIR diese und jene Struktur behandelt.“ Manchmal füge ich hinzu: „Heute hast DU mich aufgesucht, um Deine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Meine Person hat Dir dabei lediglich als Werkzeug gedient.“


Woher kommt das WIR, das DU?


Die Antwort auf diese Frage ist tief in der osteopathischen Philosophie verwurzelt:


„Es ist nicht Aufgabe des Behandlers den Kranken gesund zu machen (…) sondern das System in seinen Teilen oder im Ganzen so auszurichten, dass die Ströme des Lebens wieder hindurch fließen und die vertrockneten Felder bewässern können.“ (Still 2005)


Die geschulten Hände der*des Osteopath*in dienen dem Auffinden von Strukturen, welche den Fluss der Gesundheit einschränken. Es wird die ein oder andere Technik angewendet, die ein oder andere Struktur bewegt, immer mit dem Wissen um die Selbstheilungskräfte. Mit diesem Hintergrund kann nur MIT, nicht gegen, den Menschen gearbeitet werden – das WIR. Den Heilungsprozess an sich übernehmen die SELBSTHEILUNGSKRÄFTE– das DU.


Ich, als Osteopathin, heile nicht. Ich bin ein mögliches Werkzeug um dem Wunder der Gesundheit den Weg zu bereiten. Du heilst dich selber. Nimmst die Impulse der osteopathischen Arbeit auf, bearbeitest und verwandelst sie auf dem Weg zu Deiner Gesundheit.


Wer heilt nun wen?

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Für mich verkörpert dieser Ansatz Demut, Neugierde und Dankbarkeit:


Demut für jedes Wesen und das Wunder der Gesundheit.

Neugierde für jede Person, die meinen Behandlungsraum betritt.

Dankbarkeit für jeden Gesundungsprozess, dem ich beiwohnen darf.



* Hinweis: ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Verwendung des Wortes heilt in diesem Kontext kein Heilversprechen ist.




Literatur:

Still, A. T. (2005). Das große Still-Kompendium. 2. Aufl. Pähl: Jolandos.


Fotographie:

Rebecca Thoma



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